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Es gibt Gespräche, die bleiben einem lange in Erinnerung. Ein solches Gespräch habe ich im vergangenen Jahr mit Mayiupe Par geführt, der aus Papua Neuguinea kommt. Viele in unserer Gemeinde kennen ihn, denn er ist als Pastor am Zentrum für Mission und Ökumene in Breklum tätig. Besonders ein Gedanke von ihm klingt in meinen Ohren nach: „Simon“, sagte er, „die Menschen in Deutschland brauchen Gott nicht für ihr tägliches Leben. Die meisten Menschen machen einfach den Kühlschrank auf, nehmen sich Lebens-mittel heraus und essen. Sie müssen nicht für Nahrung beten. In meiner Heimat in Papua-Neuginea ist das anders. Wir sind abhängig vom Wetter. Ob es viel regnet oder zu trocken ist, spielt eine wichtige Rolle. Darum beten wir. Wir müssen beten, damit wir zu essen bekommen. In Deutschland ist das anders.“ Wie recht Mayiupe doch hat! Und das heißt (so ungerecht das auch ist): Wir sind in Deutschland wahrhaft reich gesegnete Menschen. Wir müssen nicht mehr bitten, um satt zu werden. Dafür sollten wir täglich dankbar sein. Gott ist es, der Wachstum und Gedeihen schenkt. Im 5. Buch Mose heißt es: „Wenn du nun isst und satt wirst, so hüte dich, dass du nicht den HERRN vergisst.“ Und trotzdem: Der Bezug zu Gott schwindet, nicht nur im Bitten, ebenfalls im Danken. Auch der Bezug zu den Erzeugern wird geringer. Wie auch anders, wenn immer mehr landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben wer-den müssen, wenn die Menschen in die Städte drängen und wenn es in deutschen Großstädten mehr und mehr möglich ist, den Kühlschrank so-gar per Bestellung beim Online-Supermarkt aufzufüllen – gleich am nächsten Tag kommt das Paket dann mit den angeforderten Lebens-mitteln. So aber verlieren wir den Boden unter den Füßen. Alles soll auf Knopfdruck möglich sein. Ausfälle werden nicht akzeptiert. Die Welt soll funktionieren. Immer mehr, immer schneller, immer perfekter – das zerstört den Menschen! „Wenn du nun isst und satt wirst, so hüte dich, dass du nicht den HERRN vergisst.“ Der Glaube erdet uns. Und lässt uns so zufriedener leben. Ja, um zu überleben müssen wir im Deutschland der Gegenwart nicht mehr beten, wir werden auch ohne Gebete satt. Was für ein riesiges Geschenk das doch ist! So können wir ganz einfach „Danke“ sagen, anstatt immer mehr zu wollen. Unserem Vater im Himmel, aber bitte: Sagen wir das auch unseren Landwirten: „Danke!“ Denn Gott schenkt den Boden, bebauen und bewahren aber muss der Mensch. Während es für die allermeisten von uns tat-sächlich keine negativen Folgen für das Leben hat, wenn das Wetter nicht stimmt, so hängt die Existenz der Landwirte natürlich von äußeren Faktoren ab. Wenn wir also nicht mehr beten müssen, um satt zu werden, dann haben wir ja Zeit, um für unsere Landwirte zu beten. Ohne sie wären unsere Kühlschränke gewiss nicht so prall gefüllt. Denn Beten bleibt wichtig und hilft - gleich, wo wir auf der Erde auch leben! Ich wünsche allen ein gesegnetes Erntefest und einen schönen Herbst!

Herzlichst Ihr Simon Frömming